Works
Decoding the gaze
2026
Serie aus 10 Werken, Auflage: 1 + 1 Künstlerinexemplar (AP)
UV-Druck auf Aluminium, Lack, Glaskugel, Archivtexte
29,7 × 42 × 10 cm
Photos: JMR-Dokumentation and Andrej Vasilenko
In Decoding the gaze untersuche ich die Einschreibung von Weiblichkeitsbildern in den europäischen öffentlichen Raum. Im Zentrum der Werkreihe stehen weiblich gelesene Brunnenfiguren und die Frage, inwiefern ihre Körperhaltungen, der Grad ihrer Entblößung sowie ihre Position innerhalb architektonischer Kompositionen historisch geprägte Blickordnungen hervorbringen und fortschreiben.
Durch die zeichnerische Übertragung löse ich die Figuren aus ihren ursprünglichen räumlichen und ikonografischen Zusammenhängen und reproduziere sie mittels UV-Druck auf gebogenem Aluminium. Als Bestandteile übergeordneter Monumente werden sie in eigenständige Bildräume überführt, in denen ihre Körper und Gesten zum zentralen Gegenstand der Betrachtung werden. Die Spuren ihrer ursprünglichen Zuschreibungen bleiben dabei erhalten, während die veränderte Rahmung deren Neubewertung ermöglicht. Die Krümmung des Aluminiums verleiht den Zeichnungen eine skulpturale Dimension und setzt Bildfläche, dargestellten Körper und Betrachtungsposition in ein räumliches Verhältnis.
Auf der Rückseite bilden geschwärzte Textpassagen aus meinem eigens angelegten Recherchearchiv eine partiell verborgene Bedeutungsebene. Glaskugeln ermöglichen einen selektiven Zugang zu einzelnen Formulierungen, die durch optische Vergrößerung und Brechung zugleich hervortreten und verzerrt werden. Lesbarkeit entsteht somit unter den Bedingungen einer vermittelten und fragmentarischen Wahrnehmung. Das Zusammenspiel von Verdeckung und Sichtbarkeit macht den Zugang zu den Texten selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung.
Die Werkreihe verhandelt die Möglichkeit einer Umcodierung tradierter Weiblichkeitsdarstellungen unter Wahrung ihrer historischen Bezüge. Die Herauslösung der Figuren aus ihren ursprünglichen Kompositionen verschiebt die Bedingungen ihrer Sichtbarkeit und eröffnet einen Raum, in dem etablierte Rollen und Bedeutungszuweisungen neu gelesen werden können. Der künstlerische Eingriff zielt darauf, historisch gewachsene Sehgewohnheiten als veränderbare Ordnungen erfahrbar zu machen und die eigene Beteiligung an ihrer Fortführung zur Reflexion zu stellen.
Decoding the gaze
2026
Series of 10 pieces, 1+1 AP
UV print on aluminium, lacquer, glass sphere, archival texts
29,7 x 42 x 10 cm
Photos: JMR-Dokumentation and Andrej Vasilenko
In Decoding the Gaze, I examine the inscription of images of femininity in the European public sphere. At the heart of this series of works are fountain figures interpreted as female, and the question of the extent to which their postures, the degree of their exposure, and their position within architectural compositions give rise to and perpetuate historically shaped regimes of the gaze.
Through the process of drawing, I extract the figures from their original spatial and iconographic contexts and reproduce them using UV printing on curved aluminium. As components of larger monuments, they are transformed into independent pictorial spaces in which their bodies and gestures become the central focus of observation. Traces of their original attributions are preserved, whilst the altered framing allows for their re-evaluation. The curvature of the aluminium lends the drawings a sculptural dimension and establishes a spatial relationship between the picture plane, the depicted body and the viewer’s position. On the reverse side, blacked-out passages of text from my own research archive create a partially concealed layer of meaning. Glass spheres allow selective access to individual phrases, which are simultaneously highlighted and distorted through optical magnification and refraction. Legibility thus arises under the conditions of a mediated and fragmentary perception. The interplay between concealment and visibility makes access to the texts themselves the subject of examination.
The series of works explores the possibility of recoding traditional representations of femininity whilst preserving their historical references. The extraction of the figures from their original compositions shifts the conditions of their visibility and opens up a space in which established roles and attributions of meaning can be reinterpreted. The artistic intervention aims to make historically ingrained visual habits tangible as changeable orders and to prompt reflection on one’s own participation in their perpetuation.




